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Medikamente aus der Metzgerei |
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Früher holte man sein Arzneimittel immer in der Apotheke "um die Ecke". Heutzutage gehen Arzneimittel zuweilen seltsame Wege, um zum Patienten zu gelangen. Dies stellen Gesundheitsexperten auf dem rheinland-pfälzischen Apothekertag in Trier fest.
"Ich denke, dass der Verbraucher einen Anspruch nicht nur auf eine
richtige Lagerung von Medikamenten hat, sondern auch auf einen guten
unmittelbaren Ansprechpartner." Dies betonte Malu Dreyer, Ministerin
für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen des Landes
Rheinland-Pfalz in ihrem Grußwort. Sie habe den Versandhandel von
Arzneimitteln mit eingeführt und befürworte ihn auch heute noch. Als
Angebot an Patienten, die nicht mehr so beweglich seien, sagte sie.
Aber er gehöre in die Hand von Apothekern.
Es müsse einen mit Sorge erfüllen, wenn man beobachte, wo sich
inzwischen Abholstellen für Arzneimittel, sogenannte Pick-Points,
entwickelt haben. "Das war anfangs im Drogeriemarkt, später im
Baumarkt. Und in Rheinland-Pfalz – und das ist jetzt kein Witz – auch
eine Metzgerei, die ein solcher Pick-Point darstellt. Das können wir
nicht wollen, weil es artfremde Branchen sind, die keine Ahnung haben
von Medikamenten", betonte die Ministerin.
Verboten und doch erlaubt
Zum Hintergrund: Die Einführung des Versandhandels mit Arzneimitteln in
Deutschland geschah seinerzeit mit der Begründung, europarechtlichen
Vorgaben genügen zu müssen. Der Versandhandel mit
verschreibungspflichtigen Arzneimitteln war jedoch auch zu jener Zeit
in einigen Ländern der Europäischen Union verboten. Und ist es auch
heute noch. Erlaubt ist dort nur der Versand
nichtverschreibungspflichtiger Medikamente. Vertreter nicht nur aus
Apothekerschaft fordern daher mindestens eine "Zurückführung des
Versandhandels auf das europarechtlich zulässige Maß". Das heißt auf
apothekenpflichtige und freiverkäufliche Arzneimittel.
Versand und Abholstellen können die Bedürfnisse der Patienten nicht
befriedigen. Dieser Meinung ist auch Dr. Andreas Kiefer, Präsident der
Apothekerkammer Rheinland-Pfalz. Er sieht den Apotheker der Zukunft als
Informationsmanager, der ein Paket schnürt aus Arzneimittel plus
Information. Denn auch für den Patienten selbst sei
Informationsmanagement besonders wichtig, betonte er. "Man kann viele,
auch chronisch kranke Patienten, nicht mit dem Arzneimittel allein
lassen. Das ist eine Überforderung. Die Menschen wollen, dass sich um
sie gekümmert wird. Das heißt: Die Information, die ein Diabetiker
braucht, auch wenn er noch nicht insulinpflichtig ist und orale
Antidiabetika einnimmt, kann nicht nur lauten ›morgens und abends zu
den Mahlzeiten‹."
Informationsplus aus der Apotheke
Einen Wechsel in der Arzneimittelversorgung fordert Hermann S. Keller,
Vorsitzender des Apothekerverbandes Rheinland-Pfalz. "Das, was wir im
Moment erleben, hat nichts mit Therapie und Diagnose und Arzneimitteln
zu tun, sondern es geht nur nach dem Preis", sagte er. "Dieses Schielen
allein auf den Preis muss aufhören." Pharmazeutische Kompetenz sei
nicht mehr gefragt. "Das muss wieder geändert werden. Es muss wieder
der Patient im Vordergrund stehen."
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