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Bundesgesundheitsminister Rösler setzt auf Apotheken |
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Wie sich aus Sicht der neuen Bundesregierung die Arzneimittelversorgung weiterentwickeln wird, erläutert Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler im Gespräch mit der Neuen Apotheken Illustrierten.
Herr Minister, Gesundheit wird immer teurer, heißt es. Wir wollen wissen: wo? Werden Zuzahlungen beim Arzt und in der Apotheke für Patienten steigen oder sinken? Was passiert mit den Krankenkassenbeiträgen?
Rösler: Die Menschen haben das Gefühl, dass es nach den bisherigen Reformen nicht immer besser, aber immer teurer geworden ist. Unsere Reform soll den Menschen die Gewissheit geben, dass sie gut aufgehoben sind. Damit das gelingen kann, haben wir zunächst schnelle Schritte unternommen, um die Kassenfinanzen kurzfristig zu stabilisieren. Die Krankenkassen haben durch die Wirtschaftskrise weniger Einnahmen. Diese gleichen wir mit zusätzlichen Steuermitteln von 3,9 Milliarden Euro aus.
Langfristig wollen wir die Strukturen der Finanzierung auf eine solide Basis stellen. Dazu wird es eine Regierungskommission geben, die nach sorgfältiger Prüfung die nächsten Schritte ausarbeitet. Wir haben uns im Koalitionsvertrag auch darauf verständigt, die Zuzahlungen zu überprüfen. Wenn diese Überprüfung abgeschlossen ist, sehen wir weiter.
Durch Rabattverträge erhalten viele Menschen ständig benötigte Arzneimittel immer wieder von verschiedenen Herstellern und damit in unterschiedlichen Ausführungen. Das irritiert die Betroffenen häufig. Hat das so viel gespart? Sehen Sie eine Möglichkeit, das Verfahren zu ändern?
Rösler: Die Rabattverträge sparen Geld ein und entlasten so die Versicherten. Aber wir müssen auch die Qualität der Versorgung und die Akzeptanz der Patientinnen und Patienten im Auge haben. Das bisherige Verfahren setzt deshalb auf die wichtige Rolle der Apotheken: Sie beraten und informieren und helfen den Patienten, wenn sie Fragen zu ihren Arzneimitteln haben. Grundsätzlich sind auch die Krankenkassen gefragt zu prüfen, ob Verbesserungen im Verfahren möglich sind.
Immer wieder hören wir von gefälschten Arzneimitteln. Wie wollen Sie angesichts von Internet und Globalisierung die Arzneimittelsicherheit in Deutschland erhalten?
Rösler: Wir sind gut gerüstet, um eine umfassende Arzneimittelsicherheit gewährleisten zu können. Der Handel mit Arzneimitteln ist in Deutschland detailliert geregelt und wird auch von den zuständigen Behörden regelmäßig überwacht. Außerdem arbeiten wir gerade in der EU an einer weiteren Verbesserung der Arzneimittelsicherheit. Wer Arzneimittel in der Apotheke vor Ort kauft oder in einer zugelassenen Versandapotheke, der geht auf Nummer sicher. Eine sichere Versandapotheke ist am online überprüfbaren DIMDI-Logo zu erkennen.
Wie sieht nach Ihrer Meinung die Apotheke der Zukunft aus?
Rösler: Das Leitbild des Apothekers oder der Apothekerin in der eigenen Apotheke garantiert die Sicherheit und die Qualität der Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln. Apotheken beraten und informieren die Patientinnen und Patienten. Das soll auch in Zukunft so sein. Aufgrund des besonderen Vertauensverhältnisses haben die Menschen in den Apotheken vor Ort zuverlässige Ansprechpartner in Gesundheitsfragen. Die Menschen wissen die Kundenorientierung und die Qualität der Apotheken zu schätzen.
Ältere Menschen sind öfter krank und kosten daher mehr im Gesundheitssystem. Und ihr Anteil an der Bevölkerung steigt. Müssen alte Menschen künftig Angst haben, nicht mehr voll versorgt zu werden? Bleibt es beim solidarischen Generationenvertrag?
Rösler: Sie sprechen den demografischen Wandel an. Den können auch wir nicht wegreformieren. In den nächsten Jahrzehnten wird Gesundheit voraussichtlich nicht billiger. Aber durch mehr Wettbewerb wollen wir dafür sorgen, dass die Beiträge der Versicherten effizienter eingesetzt werden. Und wir wollen den Solidarausgleich über das Steuersystem organisieren, dort ist er nämlich besser aufgehoben. Mir ist wichtig, dass die Menschen wissen, dass ihr Geld für ihre Vorsorge und ihre medizinische Versorgung zur Verfügung steht. Wir wollen ein Gesundheitssystem, das Solidarität und Eigenverantwortung optimal miteinander kombiniert.
Jahrelang ist in die neue elektronische Gesundheitskarte investiert worden. Jetzt kommt sie in absehbarer Zeit nicht. Warum nicht?
Rösler: Die Einführung hat schon begonnen, aber eben schrittweise. Zunächst kommt eine erweiterte und datenschutzrechtlich sicherere Krankenversichertenkarte. Der Stopp bezieht sich zunächst nur auf die Realisierung weiterer medizinischer Anwendungen. Diese sollen erst dann eingeführt werden, wenn praxistaugliche, höchsten datenschutzrechtlichen Anforderungen entsprechende Lösungen vorliegen. Denn für uns sind Qualität, Datenschutz und damit auch die Akzeptanz der telematischen Anwendungen wichtig.
Herr Minister, vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Chefredakteurin Jutta Petersen-Lehmann.
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