Beraten heisst auch Ab-raten PDF Drucken E-Mail
Bei leichteren Beschwerden gehen viele Menschen als Erstes in die Apotheke. Doch nicht immer empfehlen die Apotheker ein Medikament, wie eine Studie aus Baden-Württemberg zeigt. »Die Apotheke hilft ihnen als Versorger und Berater. Aber manchmal bedeutet beraten auch abraten«, beschrieb Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, das Selbstverständnis der Apotheker. Eine neue Studie zur apothekergestützten Selbstmedikation, die er kürzlich auf einer Pressekon­ferenz in Stuttgart präsentierte, belegt dies sehr eindrucksvoll.

564 Apotheken – das ist jede fünfte Apotheke in Baden-Württemberg – beteiligten sich an der Studie der Landesapothekerkammer und des Instituts für Handelsforschung in Köln. Mehr als die Hälfte der Kunden komme mit dem festen Wunsch zur Eigenbehandlung in die Apotheke, sagte Hanke vor Journalisten in Stuttgart. Zwei Drittel verlangten ein konkretes Präparat, während ein Drittel ein Gesundheitsproblem schilderte. Vier von zehn waren vorher nicht beim Arzt. Für Hanke ein Vertrauensbeweis, dass so viele Menschen die Apotheke als erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen betrachten.

Gute Alternativen kennen

Die Apotheker nehmen ihre Verantwortung sehr ernst, betonte Kammergeschäftsführer Dr. Karsten Diers. »Sie überprüfen in jedem Fall die Eigendiagnose des Kunden; mitunter geschieht dies sehr diskret.« Die Studie zeigte, dass Menschen die Gefahren ihrer Erkrankung und die Möglichkeiten der Selbstbehandlung manchmal falsch einschätzen. Immerhin jede zehnte Anfrage stuften die Gesundheitsexperten als ungeeignet für die Selbst­medikation ein. »Das sind etwa 29 000 Patienten täglich in ganz Baden-Württemberg«, sagte Apotheker Diers. Noch kritischer reagieren die Apotheker, wenn es um Kinder geht. Hier lehnten sie sogar jede sechste Anfrage ab.

Apotheker sparen Milliarden

Wichtig, so die Studie weiter, dass die Heilberufler nicht nur Probleme in der Selbstbehandlung erkennen und ­Patienten vor möglichen Schäden bewahren, ­sondern auch gute Alternativen kennen. So empfehlen sie dem Kunden beispielsweise ein anderes Präparat als das ­ge­wünschte, erklären nicht-medikamentöse Maß­nahmen oder raten zum Arztbesuch. Für ganz Baden-Württemberg gerechnet: Jeden Tag raten Apotheker etwa 15 000 Patienten, den Arzt aufzusuchen.

Die Leistung der Apotheke nützt auch dem Gesundheitssystem. Denn wenn Patienten sich dank guter Beratung selbst helfen können und nicht zum Arzt müssen, spart dies Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen. Hoch­gerechnet für ganz Deutschland wären dies jedes Jahr mindestens 4,2 Milliarden Euro. Zudem würden ­Folgekosten vermieden, die bei falscher Eigenbehandlung schnell entstehen können, sagte Kammerpräsident Hanke und ergänzte: »Durch ihre Leistungen ersparen die Apotheken dem Gesundheitswesen Milliarden­beträge.«
 

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