Was im Körper bei Insektengiftallergikern passiert PDF Drucken E-Mail
Nicht das Gift selbst ist die Gefahr!
Wie bei den Bienen und Hornissen ist auch der Stechapparat der Wespen mit einer Giftdrüse ausgestattet. Die beim Stich injizierte Giftdosis ist allerdings zu klein, um beim Menschen ernste Vergiftungsreaktionen zu auszulösen. Entscheidend ist die überschiessende Immunreaktion.
Beim "normal" Reagierenden sind hingegen die Auswirkungen eines Wespenstiches wohl schmerzhaft aber kaum bedrohlich. In der Regel genügt eine örtliche Behandlung. Sofortiges Kühlen der Stichstelle hemmt die Ausbreitung des Giftes. Gegen Juckreiz, Rötung und Schwellung helfen antiallergische Salben. Breitet sich die Schwellung auch auf die benachbarten Körperteile aus, sollten zusätzlich antiallergisch wirksame Tabletten aus der Apotheke geschluckt werden. Bei Unsicherheit informiere man sich am besten beim Arzt oder seinem Apotheker. Die Rolle des Immunsystems
Während normalerweise das Immunsystem für die Erregerabwehr zuständig ist, kommt es bei der Allergie zu einer Überreaktion, auch auf "harmlose" Substanzen. Die Störung des Immunsystems äußert sich darin, daß krankmachende und harmlose Substanzen nicht unterschieden werden. So bildet das Immunsystem Antikörper gegen Staub, Tierhaare, Blütenpollen oder das Bienen­ oder Wespengift, was zu einer Aktivierung von Immunzellen und entsprechender Reaktion des Organismus führt. Diese Reaktion ist durch eine Ansammlung bestimmter Zellen, sogenannter Mastzellen gekennzeichnet, die mit Histamin gefüllt sind und dieses reaktiv freisetzen.
Bei Insektengiftallergikern werden nach dem ersten Stich im Übermaß spezifische Antikörper gegen das Insektengift gebildet. Diese Immunglobuline E (IgE) binden sich an Mastzellen - der Körper wird sensibilisiert. Kommt es zu einem erneuten Stich, wird das Insektengift von den IgE-Antikörpern als körperfremder Stoff erkannt. Es kommt dann im Körper zu einer Kettenreaktion, die eine Ausschüttung von Histamin und anderen Botenstoffen durch die Mastzellen bewirkt. Diese verteilen sich im Körper und lösen sehr schnell eine allergischen Reaktion aus.
 
Was ist Histamin?
Bei Histamin handelt es sich um einen körpereigenen Botenstoff, der u.a. alle Symptome einer Entzündung vermittelt. So kann durch Histamin eine Rötung, eine Schwellung, eine Überwärmung und vor allem Schmerz und Juckreiz hervorgerufen werden sowie massive Gefäßreaktionen.

Die Symptome einer Insektengiftallergie
Typische Anzeichen einer allergischen Reaktion durch einen Insektenstich sind Hautausschläge, Schweißausbrüche, Schwindel, Zittern, Übelkeit, Erbrechen und Tachycardie (Herzrasen). Der Betroffene erlebt oft auch ein wachsendes Gefühl von Atemnot und Panik. Schlimmstenfalls kommt es zum anaphylaktischen Schock mit raschem Blutdruckabfall und Bewußtlosigkeit, der ohne sofortige ärztliche (medikamentöse) Behandlung tödlich enden kann.

Insektengiftallergie
Bienen und Wespen, aber auch Hornissen oder Hummeln, können dem Menschen nicht nur schmerzhafte Stiche zufügen, sondern zu gefährlichen, manchmal sogar lebensbedrohlichen Zuständen führen, wenn der Gestochene allergisch auf das durch den Stich eingebrachte Gift reagiert. Selbst wenn ein Mensch bereits einmal von einer Biene oder Wespe gestochen wurde und keine allergische Reaktion gezeigt hat, kann diese bei einem erneuten Stich als Ausdruck einer Fehlreaktion des Organismus auftreten. So kann es zu einer verstärkten lokalen Reaktion mit Rötung und erheblichem Juckreiz kommen, oder es tritt eine anaphylaktische Reaktion unterschiedlichen Schweregrades auf. Der durch den Stich eingebrachte Stoff verursacht auf dem Blutweg eine generalisierte Nesselsucht (Urtikaria) oder eine Schwellung der Schleimhäute (Quincke­Ödem). Letzteres ist besonders bedrohlich, wenn es im Rachenraum auftritt und die Luftröhre zuschwillt. Bei anderen Menschen sind bevorzugt die Atemwege betroffen, und es entwickelt sich ein starker Schnupfen oder Asthma mit Atemnot.

Dramatisch verläuft die anaphylaktische Reaktion mit Symptomen wie Schweißausbruch, Atemnot und Kreislaufkollaps, die mit dem Verlust des Bewußtseins (Koma), Übelkeit und Erbrechen oder Krämpfen verbunden sein können. Bei Patienten, die auf Insektenstiche allergisch reagieren, sollte eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Dadurch wird das Immunsystem mit dem Insektengift konfrontiert und die Empfindlichkeit reduziert. Weil man während der Flugzeiten der Insekten gefährdet ist, sollte jeder Insektengiftallergiker bestimmte Regeln beachten, um einen Stich zu vermeiden. Außerdem ist es zu empfehlen, eine Notfallausrüstung aus Pinzette (zum Entfernen des Stachels) und Abschnürbinde dabeizuhaben, mit der das Eindringen des Giftes in den Blutkreislauf vermindert werden kann. Medikamentös kann durch ein rasch wirksames Antiallergikum (Antihistaminikum) die Freisetzung von Histamin und dadurch die überschießende Immunreaktion verhindert werden. Mit Adrenalin, Kortison und eventuell einer Infusion wird der allergische Schock behandelt.

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