Lassa Fieber PDF Drucken E-Mail
Allgemeines
Das Lassafieber ist eine Infektionskrankheit, die 1969 erstmals in Lassa, einem Ort in Nigeria, beobachtet wurde. Nachdem 2 amerikanische Krankenschwestern einer Missionsstation in Lassa an einer ungeklärten Fiebererkrankung verstarben, wurde eine dritte Schwester, die erste Anzeichen der neuen Erkrankung zeigte, in die USA gebracht. Sie überlebte die Erkrankung, als deren Erreger ein Virus identifiziert wurde. Da diese Erkrankung zu den hämorrhagischen Fiebern zu zählen ist und diese nach den Orten ihrer Entdeckung benannt sind, wurde die Erkrankung Lassafieber genannt. Es tritt in den tropischen Regionen Westafrikas auf. Je nach lokaler Situation wird mit ca. 100000 Lassa-Fällen in Wesafrika pro Jahr gerechnet. Während der Trockenzeit von Januar bis April läßt sich eine saisonale Häufung beobachten. In Deutschland gab es in den letzten Jahren keinen einzigen Krankheitsfall.

Erreger
Der Erreger dieser Fiebererkrankung ist das Lassa-Virus. Es gehört zur Gruppe der Arenaviren und ist ein RNA-Virus. Erregerreservoir ist eine kleine Ratte ( Mastomys natalensis), die in vielen afrikanischen Häusern verbreitet ist. Sie ist mit dem Virus infiziert sind, ohne selber zu erkranken. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt hauptsächlich durch Ausdünstungen der virushaltigen Nagetierexkremente oder -blut. In der Trockenzeit (Januar bis April) häufen sich die Erkrankungen.
Von Mensch zu Mensch wird er vor allem über Blut, Stuhl, Speichel, Erbrochenes, Rachensekret oder Urin übertragen; bzw. durch den Genuß kontaminierter Nahrungsmittel. Es kommen aber auch Infektionen durch engen Kontakt mit akut erkrankten Personen vor, also die Übertragung von Mensch zu Mensch. Infektionen im Krankenhaus, sogenannte nosokomiale Infektionen, werden ebenfalls beobachtet

Symptome
Sechs bis 21 Tage (meistens sieben bis zwölf Tage)
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Die Erkrankung beginnt schleichend mit Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, Husten, Bauchschmerzen. In schweren Fällen kommt es zu Blutungen und Hirnhautentzündung. In der zweiten und dritten Krankheitswoche können Komplikationen auftreten: Hörverlust (meistens bleibend), Herzbeutelentzündung, Hodenentzündung. Erkrankte schwangere Frauen verlieren meistens ihr Kind.
In 90 bis 95 Prozent der Fälle verläuft die Infektion milde, bei schwereren Erkrankungen liegt die Sterblichkeit zwischen fünf und 20 Prozent.
Etwa zwei Drittel der Erkrankten haben Bauchkrämpfe, die mit Erbrechen einhergehen. In schweren Fällen können eine hämorrhagische Bindehautentzündung sowie Schwellungen in Gesicht und Nacken auftreten. Sie sind als ungünstig für die Prognose zu werten. Bei ca. 20% der Patienten ist eine Herzbeutelentzündung zu erwarten. Der Blutdruck ist meist erniedrigt und es kann zum Kreislaufversagen kommen. Ein Nierenversagen ist ebenfalls häufig. In komplizierten Fällen werden Gehirnentzündungen beobachtet. Bei etwa einem Vietrel der Patienten treten schwere Blutungen auf.
Ob es zu einer Genesung des Kranken kommt oder der Tod eintritt, entscheidet sich meist zwischen der 2. und 3. Krankheitswoche. Die Prognose läßt sich bei schweren Krankheitsverläufen aber nur schlecht einschätzen. Eventuell können das Ausmaß der Virämie und bestimmte Laborparameter, wie z.B. die GOT, zur Abschätzung der Prognose herangezogen werden. Bei schwangeren Frauen ist die Prognose besonders ungünstig. Mehr als 80% der Patientinnen verlieren ihr Kind.

Diagnose
Die Diagnose wird durch den Nachweis der Viren oder über den Nachweis spezifischer Antikörper erbracht. Die Viren können in Blut, Rachenspülflüssigkeit, Urin oder Gewebeproben nachgewiesen werden. Die Anzucht der Viren erfolgt in Gewebekulturen oder aber in Babymäusen oder -meerschweinchen (Sicherheitslabor!). Seit einigen Jahren steht auch die Polymerasekettenreaktion (PCR) zur Verfügung. Ab dem 3. Krankheitstag gelingt der Nachweis spezifischer Immunglobulin M- und Immunglobulin G- Antikörper.
Komplikationen
Als Komplikation im Rahmen der Gehirnentzündung durch das Lassa-Virus kann es durch die Schädigung des 8. Hirnnerven zu einer bleibenden Ertaubung kommen.

Therapie
Die Therapie erfolgt in erster Linie symptomatisch. Bei jedem Patienten mit dem Verdacht auf eine Infektion mit dem Lassa-Virus sollte eine intravenöse Therapie mit Ribaverin begonnen werden. Die frühe Ribaverin-Gabe senkt die Letalität. Ribaverin [Virazole (R)] initial 2 g iv., dann 4x1g für 4 Tage und weiter 3x0,5g nach Rücksprache mit einem Tropeninstitut. Symptomatische Therapie
Wird die Therapie in den ersten 6 Krankheitstagen begonnen, gelingt es bei oraler Gabe die Letalität um den Faktor 3 und bei intravenöser Gabe sogar um den Faktor 10 zu senken. Die hochdosierte intravenöse Gabe von Rekonvaleszentenserum, das ist Serum von Patienten, die eine Infektion mit dem Lassa-Virus überstanden haben, kann der Krankheitsverlauf deutlich bessern.

Letalität
Die Letalität beträgt bei Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden, zwischen 5 und 20 %, wobei die höheren Prozentzahlen für Kinder gelten. Unbehandelt liegt die Letalität bei bis zu 40%.
Prophylaxe
Eine Schutzimpfung gegen Lassafieber gibt es nicht. Untersuchungen in Gebieten, in denen die Erkrankung gehäuft auftritt, zeigen, daß Patienten, die an Lassafieber erkrankt waren und die Erkrankung überstanden haben, sich zwar erneut mit dem Virus infizieren können aber nicht ein weiteres mal erkranken.
Die beste Prophylaxe besteht in der Vermeidung von engem Kontakt mit Ratten und erkrankten Personen. Patienten mit Lassafieber sind streng zu isolieren und kontaminiertes Patientenmaterial (infektiöse Patientenexkremente ) ist fachgerecht zu entsorgen, um eine Ausbreitung der Erkrankung im Krankenhaus zu vermeiden. Es sollten Mundschutz, Schutzbrille, Handschuhe und Schutzkleidung getragen werden.
Das Lassafieber gehört nach dem Bundesseuchengesetz zu den meldepflichtigen Infektionserkrankungen. Zu melden sind Krankheitsverdacht, Erkrankung sowie Tod.
 
Aus den Nachrichten:
Ebola, Lassa, Dengué - Fieber bis aufs Blut
Zu den bekanntesten Formen der hämorrhagischen Fiebererkrankungen gehören Ebola, das Lassa- und das Dengué-Fieber. Diese Krankheiten zählen auch zu den gefährlichsten Infektionen weltweit. Denn hämorrhagisch (griechisch für Blutsturz/Blutfluss) bedeutet, dass die Patienten innere Blutungen haben und oft an Organversagen sterben.
Das Ebola-Virus wurde nach einem kleinen Fluss in Zaire benannt und ist seit 1976 bekannt. Das Virus wird durch Blut, aber auch durch Körpersekrete wie Speichel übertragen. In bis zu 80 Prozent der Fälle endet die Krankheit, die zwei Tage bis zwei Wochen nach Infektion ausbrechen kann, tödlich.
Das Virus des Lassa-Fiebers wurde 1969 erstmals festgestellt und stammt auch aus Westafrika. Es wird vor allem durch infizierten Kot von Nagetieren, aber auch durch Blut übertragen. Problematisch bei Lassa ist, dass schon das Einatmen von Urintröpfchen infizierter Tiere zu einer Ansteckung führen kann. Die Krankheit bricht meist nach sieben bis zwölf Tagen aus und endet in etwa jedem dritten Fall tödlich. Überlebende sind aber noch mehrere Wochen lang ansteckend.
Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts registrierte man in Deutschland für diese Krankheiten bislang nur Verdachtsfälle - dreimal gab es im laufenden Jahr bislang Ebola-Alarm. Ein vermuteter Lassa-Fall 1998 entpuppte sich nach der Obduktion eines Mannes aus Ghana als Vergiftung.
Das durch Stechmücken übertragene Dengué-Fieber führt je nach Verlaufsform bei jedem Dritten zum Tod. MP
Quelle Berliner Morgenpost August 1999